Klassikkonzert mit dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt

29. März 2019

Zu Gast in Kipfenberg ist neben dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt auch der Violinist und Dirigent Michael Guttmann, der zugleich Musikdirektor hervorragender europäischer Musikfestivals ist. Michael Guttmann spielt auf einer Guarneri del Gesù von 1735, die einmal dem großen italienischen Geiger und Komponist Giovanni Battista Viotti gehörte.

Das erste Violinkonzert von Felix Mendelssohn schrieb der damals 13-Jährige im Jahr 1822 aus der Begeisterung für die Tonart d-Moll heraus und unter Einfluss des d-Moll Klavierkonzerts von Johann Sebastian Bach. Gerade im ersten Satz sind die Bachschen Rhythmen wieder zu erkennen, wohingegen man im Andante sich dem Klangzauber Mendelssohns hingeben kann, danach geht es lebhaft mit einem Gavotterhythmus weiter.

Max Bruchs Serenade nach schwedischen Volksmelodien entstand nach einer gleichnamigen Suite gegen Ende seines Lebens. Der Marsch war ursprünglich der Abschluss der Suite, doch in der Serenade, entsprechende der Serenadentradition, wird er in leicht modifizierter Form auch als Eingangssatz benutzt (Auf- und Abzugsmusik). Seine Vorlage ist der Krönungsmarsch Karls XII (um 1700), wobei als Vorlage des zweiten und vierten Satzes zwei Liebeslieder dienten. Der dritte Satz stellt einen dalekarlischen Tanz dar (Dalekarien ist eine historische Provinz in Mittelschweden).

Mit einem Schwenk geht es nach Italien mit der 3. Suite der „Antiche Danze ed Arie“ von Ottorino Respighi, der darin auf barocke Formen und Tänze zurückgreift. 1931 entstanden, überträgt Respighi in diesem neoklassizistischen Werk alte Lauten- und Gitarrentabulaturen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Den Rahmen des Programms stellen ganz bewusst zwei georgische Komponisten auf. In den „Bildern des alten Tiflis“ von 1990 lauscht Vaja Azarashvili den Klängen seiner Heimat. Azarashvili gehört zu den führenden Komponisten Georgiens und wurde für seine Werke vielfach ausgezeichnet. In seiner Musik vereint Azarashvili den georgischen Volkston mit (spät-)romantischem Gestus und zugleich deutet die Genrebezeichnung Suite darauf hin, dass die „Bilder des alten Tiflis“ auch mithilfe der zyklischen Kompositionsform aus der Barockzeit gestaltet werden.

Auch bei Sulchan Zinzadse stehen die Volksmelodien im Vordergrund und zeigen in den Miniaturen ein helles, heiteres Georgien. Diese kurzen Stücke, zunächst für Streichquartett geschrieben, sind in unterschiedlichen Lebensabschnitten des Komponisten entstanden. Unvergesslich hörbar wird ein Markenzeichen georgischer Musik: die polyphone Struktur der Lieder.


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