Sensationeller Fund
im Naturpark Altmühltal

Das Eichstätter Jura Museum präsentiert einen 151 Millionen Jahre alten Schädel eines Zwergdinosauriers der Öffentlichkeit
Eichstätt: Als "Weltsensation" gilt in Fachkreisen der Fund eines gut erhaltenen Zwergdinosaurier Schädels von acht Zentimeter Größe. Der bei paläontologischen Grabungen bei Schamhaupten im Naturpark Altmühltal aus den Epsilon-Schichten des Weißjura entdeckte Schädel ist etwa 151 Millionen Jahre alt und ist bundesweit bislang erst der zweite Fund aus der Oberjura-Zeit. Der von den Brüdern Hans und Klaus-Dieter Weiß aus Kelkheim-Fischbach im Sommer 1998 geborgene Fund ist damit ca. 1 Million Jahre älter als der aus dem Solnhofener Plattenkalk stammende Archaeopteryx.
Anhand der starken Zähne weiß man, daß es sich um einen fleischfressenden Saurier, einen sogenannten Theropoden aus der Gruppe der Coelurosaurier handelt. Wie Präparator Pino Völkl auf Anfrage erklärte, lief diese Art von Raubsauriern, auf ihren beiden Hinterbeinen.
Das nun freigelegte Exemplar war allerdings ein Jungtier, in ausgewachsenem Stadium hätte es mit circa einem Meter, etwa die Größe eines Hundes erreicht.
Derartige Funde von Landtieren in den Schichten des ehemaligen Jurameeres zählen zu den ganz besonderen Raritäten, denn üblicherweise finden die Paläontologen dort vor allem Versteinerungen von ehemaligen Wassertieren.
Die Wissenschaftler vermuten, daß der junge Theropode einst auf einer nahen Inselgruppe lebte und während der Regenzeit von einer Sturzflut ergriffen und ins Meer hineingespült wurde.
Die große wissenschaftliche bedeutung des Fundes liegt darin begründet, daß nach Auffassung der meisten Paläontologen kleine Theropoden die Stammgruppe der Vögel bilden.
Nach der Bergung und Präparation des Schädels soll in den nächsten Monaten auch der Rest des Zwergdinosauriers freigelegt werden. Die dazu gehörigen Steinplatten wurden vom Eichstätter Jura Museum bereits geborgen und sichergestellt.
Gespannt warten nun alle Beteiligten darauf, zu erfahren, ob der Körper des Raubsauriers von Schuppen oder Federn überzogen war - denn außer in China hat man bislang noch nirgendwo einen gefiederten Vorläufer des Archaeopteryx entdeckt.
Den Zeitaufwand für die komplette Restaurierung schätzt Pino Völkl auf rund 500 Arbeitsstunden - davon hat er allein für die Präparierung des Kopfes 80 Stunden benötigt.
Das komplette Fundstück soll im September des Jahres 2001 anläßlich der 25-Jahr-Feier des Eichstätter Jura-Museums der Öffentlichkeit vorgestellt werden.


Bericht von
Manuela Knipp-Dengler - Dipl.Journ.

Ein Trainigsverfahren kann helfen

Die Ursachen der Legasthenie sollten möglichst früh aufgespürt werden. Freiburger Hirnforscher entwickelten eine Testmethode

Freiburg (taz) - Warum nur, so fragen sich viele Eltern, hat unser Kind so große Probleme mit dem Lesen- und Schreibenlernen? Statt Buchstaben in der richtigen Reihenfolge zusammenzusetzen und geordnet auf eine Zeile zu schreiben, herrscht häufig Chaos auf dem Papier. Die Ursache dafür ist meist auch ein Chaos im Gehirn, denn bei vielen auffälligen Kindern funktioniert die Verarbeitung der über das Auge aufgenommenen Eindrücke nur mangelhaft. Dabei kann die Störung sowohl im Bereich der Wahrnehmungsaufnahme, ihrer Speicherung oder in der Reizverarbeitung liegen. Die Fähigkeit, Lesen und Schreiben zu erlernen, basiert also auf einem höchst komplexen Miteinander von Auge und Gehirn. Ist dieses empfindliche Miteinander gestört, kommt es zu Fehlsteuerungen.

Ob ein Kind seine Lese- und Schreibprobleme überwinden kann, hängt jeweils von der individuellen Ausprägung der Legasthenie ab. Chancen für eine Besserung sind aber vorhanden.

Wie die Arbeitsgruppe Hirnforschung des Instituts für Biophysik an der Universität Freiburg um Professor Dr. Burkhard Fischer in Studien nachgewiesen hat, haben viele Legastheniker Probleme mit ihrer willentlichen Blicksteuerung. Da der Leseprozeß nicht nur scharfes Sehen voraussetzt, sondern auch eine perfekt funktionierende Blicksteuerung, bei der die Augen in genau vorausberechneten Sprüngen von Wort zu Wort entlang der Zeile geführt werden müssen und am Ende der Zeile ein großer Rücksprung erfolgen muß, führen fehlerhafte Blicksprünge nicht nur zu erschwertem Lesefluß, sondern auch zu Auslassungen und falschen Leseergebnissen.

Bei normal lesenden und schreibenden Kindern entwickelt sich die Blicksteuerung noch bis zum 18. Lebensjahr und kann selbst beim Erwachsenen durch tägliches Training noch verändert werden.

In umfangreichen Tests mit legasthenischen Kindern und Kindern einer Kontrollgruppe hat Fischer festgestellt, daß vor allem bis zum Alter von sieben Jahren noch sehr wenig Kontrolle über die willentliche Blicksteuerung existiert und die Kinder noch sehr stark ihren Reflexen ausgeliefert sind.

Bei ihren Untersuchungen stellten die Hirnforscher fest, daß nahezu die Hälfte der als legasthenisch eingestuften Kinder im Alter von 9 bis 17 Jahren Defizite in der willentlichen Blicksteuerung aufwiesen. Die Forscher führen dies auf eine nicht altersgemäße Reifung des Frontalhirnbereichs zurück. Legasthenische Kinder haben auch in ihrer visuellen Wahrnehmung häufiger Probleme als normal lesende Kinder gleichen Alters. Bei Verdacht auf Legasthenie besteht seit kurzem auch die Möglichkeit, die Blickmotorik testen zu lassen. Denn ist die Blickmotorik gestört, ist es oftmals nicht möglich, richtig lesen zu lernen. Fälschlicherweise glauben viele Eltern, daß die Augen selbst oder die Augenmuskeln betroffen seien. Dies ist nach Auskunft der Hirnforscher aber nicht der Fall.

Geprüft wird die Blickmotorik über ein schmerzloses, einfaches Verfahren, bei dem die Augenbewegungen über Lichtpunkte gemessen werden. Dabei wird untersucht, wie gut das Kind einzelne Punkte fixieren und Blicksprünge nachvollziehen kann. Sinnvoll sind die Tests frühestens ab dem siebten bis achten Lebensjahr, da erst ab diesem Alter Blicke willentlich gesteuert werden können.

Parallel dazu hat die Arbeitsgruppe Hirnforschung auch ein Verfahren entwickelt, das den betroffenen Kindern ermöglicht, bei mehrwöchigem täglichem Training ihre Blicksteuerung deutlich zu verbessern.

Hierbei üben die Kinder nach entsprechender Anweisung und Begleitung der Eltern oder Therapeuten täglich knapp zehn Minuten mit einem mobilen, etwa 20 Zentimeter kleinen, von den Hirnforschern entwickelten Gerät, dem sogenannten "Fix-Train".

Das Training hat den Charakter eines Computerspiels, mit gezielter Wirkung auf die Blicksteuerung. Dabei lernen die Kinder, ihren Blick willentlich zu steuern und vorgegebenen, punktkleinen Pfeilen mit den Augen zu folgen: Über eine einfach aufgebaute Tastatur wiederholen sie, je nach Aufgabe, die Richtung oder Gegenrichtung der Pfeile per Tastendruck. Bei 80 Prozent aller Trainingskinder erreichten die Hirnforscher damit eine meßbare Verbesserung der Blicksteuerung. Folgetests bestätigten: Bei über einem Drittel der Trainingskinder konnte die Leseleistung durch das tägliche Training deutlich verbessert werden. Einem Großteil der Kinder gelang es nach der mehrwöchigen Trainingsphase, beim Lesen konzentrierter hinzusehen und beim Schreiben sich besser an den Zeilen zu orientieren. Die Hirnforscher gehen davon aus, daß die durchs Training verbesserte Blicksteuerung erhalten bleibt. Rückfälle sind bisher nicht bekannt.

Der "Fix-Train" speichert alle Übungsdaten zur späteren Auswertung und zur Kontrolle des Übungsverlaufs. Über eine Schnittstelle am Gerät lassen sich die Daten auf einen Computer überspielen und mit entsprechender Software auswerten. Bei entsprechender Diagnose verleiht die Uni Freiburg diese Geräte gegen eine Leihgebühr im gesamten Bundesgebiet. Wer den "Fix- Train" kaufen möchte, muß immerhin rund 850 Mark dafür hinblättern, zusätzlich kann auch die Software erworben werden.

Manuela Knipp-Dengler

taz Nr. 5794 vom 24.3.1999 Seite 17 Wissenschaft 161 Zeilen
TAZ-Bericht Manuela Knipp-Dengler
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