Europäische Kirchen gründen
Europäisches Christliches Umweltnetzwerk
(Bericht über die Gründungsversammlung)
(Vilemov/Eichstätt) 25 Jahre nachdem der erste Umweltbeauftragter (Prof.Dr.Kurt Oser) einer europäischen Kirche berufen wurde rüsten sich die europäischen Kirchen im Sinne einer großen ökologischen Generaloffensive für ihren Beitrag zu einer zukunftsfähigen Erde.

Auf Einladung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK, Genf) und eines internationalen Initiativkreises trafen sich vom 21.-25. Oktober 1998 60 Umweltverantwortliche und Umweltbeauftragte (aus 23 Ländern) der orthodoxen und protestantischen Kirchen Europas und einige Vertreter von katholischen Kirchen und ökumenischen Organisationen zur Gründungsversammlung des Europäischen Christlichen Umweltnetzwerk  (European Christian Environmental Network) in der Orthodoxen Akademie Vilemov (Tschechische Republik).

Die Einrichtung eines ökologischen kirchlichen Umweltnetzwerks wurde 1996 im Rahmen der Vorbereitung der "Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung" auf der internationalen Konsultation der Franz von Assisi Akademie zum Schutz der Erde "Christentum und zukunftsfähiges Europa" in der Katholischen Universität Eichstätt von  Professor für Ökumenische Theologie Lukas Vischer (Ord. Akademiemitglied)) vorgeschlagen. Diese Idee ging in die Empfehlungen der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung ein, zu der im Juni 1997 die Konferenz Europäischer Kirchen und der Rat Europäischer Bischofskonferenzen eingeladen hatten und zu der über 10000 Christen aus ganz Europa nach Graz gekommen waren.

"Ziel des Netzwerks ist es, das ökologisches Engagement der Kirchen zu stärken, die Zusammenarbeit über nationale und konfessionelle Grenzen hinweg zu fördern und gemeinsame Imitativen zu ökologischen Fragen auf europäischer Ebene zu entwickeln", so Rüdiger Noll  (KEK) vor der Gründungsversammlung. Im Rahmen des europäischen Integrationsprozesses will das Netzwerk die Stimme der Kirche für den notwendigen Prozeß für eine "Zukunftsfähiges Europa" einbringen. Die Arbeit des Netzwerks wird  vorwiegend in thematischen Arbeitsgruppen stattfinden. Auf der Gründungversammlung wurden hierzu folgende Allianzen gebildet: Klimaschutz, Einrichtung eines Schöpfungstags, zukunftsfähige Mobilität, Lokale Agenda 21, Lebensstile, Kirchliches Umweltmanagement, Biotechnologie und gentechnische Manipulation, sowie Umwelt und Ökonomie. Weitere Allianzen sind in Vorbereitung.In einer Abschlußerklärung rief die Gründungsversammlung die europäischen Kirchen auf, nach dem Beispiel des Ökumenischen Patriarchats einen gemeinsamen Tag für die Schöpfung durch Gottesdienste und mit praktische Imitativen zu begehen. Auch wurden schon trilaterale Vereinbarungen für gemeinsame Projekte geschlossen und Finanzstrategien entwickelt.

Die Gründung des Netzwerks wurde allgemein von allen Kirchenvertretern begrüßt und erfolgte einstimmig. Auch die ersten Reaktionen sind positiv: "Ich betrachte ihre Idee, ein europaweites ökologisches Netwerk zu gründen, als die grösste Ermutigung, die mir begegnet ist, nach dem ich nach einer Antwort auf die öklogische Herausforderung suche", mit dieser Aussage richtete sich Professor Vaclav Mezricky von der Karls Universität Parg an die Umweltbeauftragten. Auch die Franz von Assisi Akademie zum Schutz der Erde e.V." sieht trotz einiger struktureller Probleme, in der Gründung des Netzwerks und dem beschlossenen Arbeitsprogramm einen historischen Meilenstein der kirchlichen Umweltarbeit in Europa, der hoffentlich große kirchliche Unterstützung findet", so Ralf Klemens Stappen, Sekretär der Franz von Assisi Akademie und Vertreter des Umweltkommission des Diözesanrats des Bistums Eichstätt gegenüber der KNA zur Gründung des Netzwerks .

Auf der Gründungsversammlung wurde unerwarteterweise intensiv und stundenlang um einen konsensfähigen Namen gerungen. Der vorgeschlagene Name „Umweltnetzwerk Europäischer Kirchen" wurde von der Gründungsversammlung zunächst in„Europäisches Ökumenisches Umweltnetzwerk" geändert. Besonders die Vertreter vom Moskauer Patriarchats und auch anderer Orthodoxer Kirchen konnten diesen  Namen nicht zustimmen. Dies führte zu den jetztigen Namenskompromiß.  Hier zeigte sich, wie schon ein Jahr zuvor in Graz, daß die ökumenische Bewegung derzeit intensiven Spannungen ausgesetzt ist, die durch den Umbruch im Osten bedingt ist. Da es in der Umweltfrage einen großen ökumenischen Konsens gibt und dieses Gebiet theologisch und historisch völlig unbelastet ist - gab es aber unter den Teilnehmern,trotzdem die große Hoffnung, daß die Kirchen Europas in der Umweltfrage gemeinsam zusammenarbeiten können und eine Art Motor der ökumenischen Bewegung sein könnten.

Die derzeitigen Aktivitäten und auch die jetzt veröffentlichen Abschlußdokumente der Europäischen Versammlung (CCEE/KEK) zeigen, daß die europäischen Kirchen längst den Anschluß an die aktuelle Umweltdiskussion gefunden haben, sowie über ein großes theoretisches und praktisches Kompentenzpotential verfügen, welches nun durch das Netzwerk synergetisch gebündelt werden kann. Allerdings steht die intensive Beteiligung der Katholischen Kirche in Europa am Netzwerk noch aus. Derzeit ist die Verbindung noch sehr schwach, welches sich auch in der Organisationsstrktur wiederspiegelte. Zur Klärung dieser Frage wird nächstes Jahr, voraussichtlich in Lubjana (Slowenien) eine Umweltkonferenz des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE, St. Gallen) stattfinden, wie Stefan Vesper als Beobachter von CCEE auf der Gründungsversammlung erklärte.
 

Literaturtip: CCEE und KEK:Versöhnung. Gabe Gottes und Quelle neuen Lebens. Dokumente der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Graz. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998.