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Max Mannheimer Hauptseiteam 28. Januar 2000 im Pavillon der FOS u. BOS Ingolstadt Die Häftlingsnummer Sie möchten gern, dass sie den Menschen lösche Ein windverwehtes Nichts in seiner Schwäche, Nichts kann dem dunklen Wollen Sieg verleihn.
“ Max Mannheimer trägt sie, die Häftlingsnummer 99728 unauslöschlich eingebrannt auf seinem linken Unterarm...” (Beginn der Begrüßungsrede von Frau Schärtel)
Schüler der BOS/FOS Ingolstadt
“Und was haben wir damit zu tun?” Wer heute mit jungen Leuten die einstigen Vernichtungslager der Nationalsozialisten, die Gaskammern, die Krematorien besucht, wer ihnen erzählt, dass Millionen unschuldiger Menschen "nur" wegen ihrer Rasse und religiösen Überzeugung millionenfach umgebracht wurden, erntet nach ungläubigem Staunen garantiert bald die etwas unwillige Frage: "und was haben wir damit zu tun?”. Der 80-jährige Max Mannheimer kennt die Antwort, wenn er von Schule zu Schule zieht und erzählt, wie es damals war, als die "Herrenrasse" daran ging, die "Untermenschen" systematisch zu liquidieren, als "Schmarotzer" und "Parasiten" beseitigt werden sollten, als der Sieg des "arischen Menschen" über die ganze Welt errungen werden sollte, als in Deutschland "ein Volk, ein Reich, ein Führer" herrschte. Von einer Kollektivschuld über Generationen hinweg will er nichts wissen. Er spricht nicht schuldig, er plädiert für Toleranz, Zivilcourage und Versöhnung. Seine Erzählungen sind eine einzige Warnung vor radikalen Tendenzen, die sich auch heute wieder unter jungen Leuten breit machen. Hassparolen gegen Andersdenkende und Anderslebende dürfen nach Auschwitz keine Mehrheit mehr finden. Das ist seine Botschaft. Die Botschaft eines Juden. Auch für uns Christen. Unser vorbildloses Land braucht Männer wie Max Mannheimer.
Endlich wieder lachen können. Die Amerikaner befreiten 1945 die überlebenden Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau.
Beschaulich seinen Lebensabend zu genießen ist Max Mannheimers Sache nicht. Sein Terminkalender, der unübersehbar auf dem Esstisch prangt, gleicht dem eines Managers. Ins Auge stechen die wenigen weißen Felder, Tage, an denen einmal nichts eingetragen steht. Dabei könnte sich Mannheimer, der am 6. Februar 2000 80 Jahre alt wurde, genüsslich seinem Hobby, dem Malen, widmen, hätte er sich nicht seit Jahren einer Aufgabe verschrieben, die ihm zum Lebensinhalt wurde. Mannheimer kennt wohl wie kein anderer Deutschlands Schulen von innen. Seit 9. April 1986 erzählt der Überlebende der Konzentrationslager von Auschwitz und Dachau jungen Deutschen, wie es war und wie es nie wieder werden darf. Max Mannheimer ist Jude, und als Künstler signiert er mit "ben jakov", nach dem Namen seines Vaters. Von der siebenköpfigen Familie (Vater Jakob gest.2.2.43; Mutter Margarethe gest.2.2.43; Edgar, Erich gest.15.2 43; Max, Ernst gest. 7.3.43; Käthe gest. 25.2.43) überstanden nur Max und sein Bruder Edgar die Hölle von Auschwitz. An der Rampe sahen die beiden ihre Eltern, die Schwester und Mannheimers Frau zum letzten Mal. Sie wurden nach rechts geschickt, in den Tod; die Brüder nach links, das stand für Zwangsarbeit und Krankheit. Ein Held sei er nie gewesen, bekennt er heute. Vor dem Krieg riss er nur einmal sechs Schilder mit der Aufschrift "Für Juden verboten" aus einer Rasenfläche, am nächsten Tag waren sie wieder da. In Auschwitz wollte er schon nach dem ersten Appell in den elektrischen Draht laufen. Die Frage des jüngeren Bruders, ob er ihn denn allein lassen wolle, rettete ihm dort das Leben. Deshalb wählte sich Mannheimer später ein Motto, das ihn selbst zum Handeln aufforderte. Das Wort von Bert Brecht "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren", ist ihm zum Motor seiner Arbeit geworden. Diese ergab sich eigentlich mehr zufällig. Nach der Befreiung 1945 aus einem Zugwaggon in Tutzing bei München wollte Mannheimer, der damals noch 37 Kilo wog, nie wieder den Boden seiner Peiniger betreten. Doch er verliebte sich in eine Deutsche aus sozialdemokratischem Elternhaus, die im Krieg britischen Gefangenen BBC-Informationen zugesteckt hatte, und heiratete sie. Vom Verlust dieser früh verstorbenen Frau geprägt, schrieb Mannheimer seine Auschwitz-Erlebnisse für die junge Tochter auf. Schreiben und Malen halfen ihm, das Geschehene zu verarbeiten. Erst Jahrzehnte später folgte er, der auch Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau ist, den Einladungen von Schulen, um seine Geschichte jungen Leuten nahe zu bringen. Heute kann er ohne Beruhigungsmittel darüber reden. Vor Jahren noch musste Mannheimer zeitweise das Klassenzimmer verlassen. Unterdessen lasen die Lehrer die schlimmsten Passagen über die Selektion seiner Angehörigen vor.
"Kollektivschuld gibt es nicht"
Max Mannheimer ist seit 1994 regelmäßiger Gast an der Staatl. FOS und BOS Ingolstadt. Er ist unermüdlich in Vorträgen, Diskussionen und Führungen durch die KZ-Gedenkstätte Dachau. Seit 1988 ist er Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau. In zahllosen Veranstaltungen, vor allem auch in vielen Schulen, leistet er die schmerzliche Arbeit der Erinnerung und ist so ein unentbehrlicher Streiter für unsere demokratische Kultur. Seine Erinnerungen sind als Videokassette zu erwerben oder in dem am 7. Februar 2000 erschienenen Buch Spätes Tagebuch nachzulesen.
Max Mannheimer (Künstlername: ben jakov) ist auch als Künstler tätig. Er benutzt seinen besonderen Stil, seine Ausdrucksweise dazu, um mit dem Betrachter seiner Werke in einen Dialog zu treten. Es ist vor allem die jüngere Generation, die er zu erreichen versucht. Uns hat er sicherlich erreicht !
Der Maler vor seinem Werk
Max Mannheimer bei der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes
weitere Ehrungen: 1990 Herzog - Heinrich - Medaille der Landeshauptstadt München Quellenverzeichnis: G. Binder, Geschichte im Zeitalter der Weltkriege, Band 1 (Bearbeitet von Schmidl Lothar, 12 hTB) |
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