
1. Ohne wirtschaftliche Notwendigkeit wird die Trasse der Stichstrecke Eichstätt Bahnhof – Eichstätt Stadt von ihrer bisherigen Lage hin zum Bahnhofsgelände verschwenkt. Dies macht eine Rückverlängerung der Strecke, beispielsweise bis zur Universität, zum Industriegebiet oder gar bis Kinding oder Beilngries vollständig unmöglich.
Die Option einer Streckenverlängerung muss künftigen Generationen offen gehalten werden. Angesichts hoher Benzinpreise, steigenden Umweltbewusstseins in der Bevölkerung, verstärkter Anforderung nach Mobilität in Ausbildung, Beruf und Privatleben sowie zunehmender Engpässe auf den Straßen[1] ist eine weitere Fortsetzung des positiven Trends im Regionalverkehr auf der Schiene zu erwarten: Seit 1996 sind die Fahrgastzahlen im bayerischen Regionalverkehr um 51% gestiegen[2].
Bereits jetzt existiert ein erhebliches Fahrgastpotential für eine Verlängerung bis zur Aumühle durch die Universität und das Schulzentrum. Die KU Eichstätt – Ingolstadt besuchten im Wintersemester 2006/2007 ca. 4.800[3] Studenten. Rund 1.000 dieser Studenten besuchen Veranstaltungen der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Ingolstadt und sind zum Transfer nach Eichstätt auf eine leistungsfähige Anbindung der KU an den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Der Individualverkehr stößt hier seit langem an seine Grenzen, insbesondere in der morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeit sowie im Hinblick auf verfügbare Parkplätze an den Universitätseigenen Standorten und am benachbarten Waisenhausparkplatz. Ähnliches zeigt sich beim Schülerverkehr in Richtung Schulzentrum Schottenau (1.600 Schüler), der derzeit ausschließlich über Busse abgewickelt wird. Die Eichstätter Innenstadt hat die Grenzen ihrer Belastbarkeit im Busverkehr zu den Zeiten des Schulbeginns und –endes längst überschritten. Eine Streckenverlängerung böte hier die Möglichkeit, einen Teil des Verkehrs von der Innenstadt auf die Schiene zu verlagern und damit Fahrzeitverkürzungen zu erreichen.
Als Hauptgrund für die Verlegung der Bahnlinie in Richtung des Bahnhofsgebäudes wird das auf dem Gelände des Edeka-Marktes geplante Parkhaus aufgeführt. Durch eine Ausführung des Parkhauses in über die Bahnlinie überkragender Bauweise ließe sich verhindern, dass wichtige verkehrliche Optionen für die Zukunft „verbaut“ werden. Gleichzeitig könnte so ggf. ein überdachter Ein- und Ausstieg zu den Zügen am Stadtbahnhof ermöglicht werden.
Gleichzeitig geben wir zu bedenken, dass der vorgesehene Standort für das Parkhaus für Einkäufe in Richtung Innenstadt ungeeignet erscheint. Um sowohl für die Innenstadt als auch für die neu entstehenden Gewerbeflächen auf dem Eisenbahngelände als Parkfläche dienen zu können, müsste das Parkhaus deutlich näher am Herzogsteg realisiert werden.
2. Wir begrüßen die Absicht einer direkten Verknüpfung von Bus und Bahn am Stadbahnhof sehr. Der geplante Bussteig ist jedoch in der vorgesehenen Ausführung nicht für die Aufnahme von mehr als sechs Bussen geeignet.
Ein Bus der Stadtlinie Eichstätt hat eine Länge von 12 Metern und eine Breite von 2,50 Metern zzgl. 0,5 Meter für die überstehenden Spiegel. Der Wendekreis des Fahrzeugs liegt bei 21 Metern[4], wurde jedoch nach BOKraft auf 25 Meter erhöht. Um eine unabhängige Ein- und Ausfahrt der Busse zu ermöglichen, ist zwischen den einzelnen Fahrzeugen ein Abstand von mindestens 5 Metern erforderlich.
Weiter ist zu berücksichtigen, dass ein Teil der verwendeten Fahrzeuge Gelenkbusse mit einer Länge von 19 Metern sind und auch viele gängige Baureihen von bis zu 15 Meter Länge aufweisen.
In der Hauptverkehrszeit am Morgen und zur Mittagszeit verkehren am Stadtbahnhof bis zu 13 Busse gleichzeitig. Bei einer einspurigen Aufstellung der Fahrzeuge ergibt sich bei fünf Metern Abstand zwischen den Bussen und einer durchschnittlichen Länge der Busse von 15 Metern eine durchschnittliche Stellplatzlänge von 20 Metern (prinzipiell müsste eine Stellfläche jedoch auf das längste vorgesehene Fahrzeug ausgelegt sein und damit 23 Meter lang sein), also eine Gesamtlänge von 260 Metern. Selbst bei dieser eher optimistischen Rechnung steigen die Fahrgäste des letzten Busses schon fast näher am Baugeschäft Meier als am Stadtbahnhof aus.
3. Für das geplante Hotel gibt es keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten. Im Falle großer Akzeptanz bzw. neuer Nutzungsmöglichkeiten, bleibt dem Hotel eine Kapazitäts- oder Angebotsausweitung verwehrt.
Zur zu erwartenden Akzeptanz für das Hotel lassen sich keine zuverlässigen Prognosen treffen. Wir würden uns sehr über einen Erfolg freuen, geben jedoch zu bedenken, dass eine nachträgliche Erweiterung, sei es im Wellness-, Tagungs- oder im kapazitativen Bereich, verwehrt wäre.
4. Es sind im aktuellen Plan keine Taxi-Stellplätze am Stadtbahnhof vorgesehen.
Wie nahezu alle Bahnhöfe mit vergleichbaren Ein- und Aussteigerzahlen ist auch am Stadtbahnhof Eichstätt weiterhin ein fester Taxi-Stellplatz für zwei Fahrzeuge nötig. Insbesondere ab 19 Uhr sind viele Fahrgäste auf die Weiterfahrt im Taxi angewiesen, da keinerlei Busse mehr verkehren.
[1] Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, Gesamtverkehrsplan Bayern: www.stmwivt.bayern.de/pdf/verkehr/Gesamtverkehrsplan_Bayern_2002.pdf
[2] Quelle: Presseerklärung des Bayerisches Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie unter www.stmwivt.bayern.de/presse/pressearchive/ab2001/2007/10/pm335.html
[3] Quelle: Statistische Angaben der KU unter www.ku-eichstaett.de/Ueberblick/statistik.de
[4] Quelle: Produktbeschreibung Mercedes Benz Citaro