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22.2.2012 : 19:06

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Zum 80. Geburtstag von Sr. Raingard

"Wenn ihr einen großen Zirkus daraus macht mit Feier in der Aula, dann komm' ich erst gar nicht!" Diese kleine Drohung wenige Tage vor ihrem runden Geburtstag am 10. Oktober ist typisch für Schwester Raingard, die es in all den vielen Jahren als Leiterin unserer Maria-Ward-Realschule nie gemocht hatte, wenn um ihre Person und ihre Verdienste irgendwelches Aufheben gemacht wurde. "... und außerdem: achtzig Jahre alt zu werden ist mir allein schon Geschenk genug! Da braucht es wirklich keine weiteren Geschenke!"

Das blieb natürlich bei einem so prominenten Geburtstagskind ein frommer Wunsch, da sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet hatte unter den Schülerinnen, bei denen sie sich auch neun Jahre nach ihrer offiziellen Verabschiedung aus dem Schuldienst einer großen Fangemeinde erfreut - der Grund: Sie dachte damals erst gar nicht daran, sich auf dem bequemen Ruhesessel niederzulassen und nahm sich stattdessen in der Nachmittagsbetreuung eher noch mehr Zeit für die Sorgen und Nöte i h r e r  Schulkinder, nachdem ihr die Last der Verantwortung für die Schule, verbunden mit der zusätzlichen Sorge um "ihre schwierigste Schulklasse - die Lehrer ;-)" von den Schultern genommen worden war. So standen sie denn auch zahlreich Spalier auf ihrem Weg zur Feier im Lehrerzimmer und empfingen sie mit begeisterten Chorgesängen.

Vergleicht man das Leben mit jenem Schatz im Weinberg, der sich nur auf dem einzig richtigen Wege bergen lässt, den allerdings jede(r) selbst finden muss, so hat Schwester Raingard genau den richtigen Weg gewählt: Ihr Weinberg war unsere Schule; wo sie all die vielen Jahre buchstäblich geackert hat, um aus zarten Pflänzchen Früchte-tragende-Stöcke heranzuziehen. Statt einem großen Schatz hat sie am Ende viele, viele kleine Schätze "ernten" können: Es sind die Generationen von Schülerinnen, die durch ihre Hände gegangen sind und dabei gelernt haben, dass Herzensbildung wichtiger ist als Vermögensbildung.

Mit Ende des letzten Schuljahres wurde Schwester Raingard ein zweites Mal von der Schulgemeinschaft verabschiedet, da sie in ihrer Ordensgemeinschaft andere Aufgaben erwarten ... was sie aber nicht daran hindert, der ausdrücklichen Einladung von Schulleiterin Prof. Dr. Barbara Staudigl zu folgen und immer wieder kurz zu uns hereinzuschauen - besonders nach ihren Schäfchen von der Nachmittagsbetreuung. Schließlich gilt es da ja, noch das eine oder andere Schätzchen aus dem Acker zu holen. Wir wünschen ihr dafür von Herzen alles Gute und weiterhin eine glückliche Hand.

Paul Wotka