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4.2.2012 : 5:26

Seit mehr als 125 Jahren Maria Ward in Eichstätt


Fassade zum - damals ungepflasterten -
Residenzplatz

 

1869 rief Bischof Freiherr von Leonrod die Englischen Fräulein in
seine Residenzstadt "zur höheren Ausbildung der weiblichen Jugend".
Sechs Schwestern begannen das Werk mit einer 6-stufigen "Höheren
Erziehungsanstalt", die im ersten Jahr von 12 Schülerinnen besucht
wurde.
Im Laufe der Jahre wurde sie in "Höhere Töchterschule" und später
in "Lyzeum" umbenannt und blieb als 6-stufige Schulart erhalten bis
zur Auflösung im Jahre 1940.


Chemie-Physiksaal der Lehrerinnenbildungsanstalt


... später modernisiert für naturwissenschaftliche Übungen

Ab 1880 wurde daneben auch die Lehrerinnenbildungsanstalt geführt, die
vorwiegend den klösterlichen Nach-
wuchs ausbildete.
Ein großes Anliegen der damaligen
Oberin des Hauses, M. Clothilde Gentner,
war es, für Mädchen einen
besonderen Schultyp ins Leben zu
rufen, eine Schulgattung zwischen
Volksschule und Gymnasium. Diese
Schule sollte den Mädchen eine solide
Grundlage für eine gute Berufsaus-
bildung vermitteln.
1913 wurde die ministerielle Geneh-
migung erteilt und 1914 konnte die
erste Klasse dieser "Mittelschule"
errichtet werden.

Sowohl die Lehrerinnenbildungsanstalt als auch die
Mittelschule nahmen im bayerischen Bildungswesen
einen bedeutenden Platz ein.
Dieser große Schulbetrieb mit drei verschiedenen
Schulgattungen machte es notwendig, zum heutigen
Mittelbau des Hauses schon bald zwei weitere Häuser
rechts und links davon anzukaufen. Darüber hinaus
wurde der südliche Anbau mit zahlreichen Klass-
räumen, Turnsaal und Aula erstellt; er konnte 1906
seiner Bestimmung übergeben werden.

 

Gartenpartie neben der Stadtmauer

 

Allem schulischen Schaffen bereitete die NS-Zeit 1940 ein jähes
Ende.
Das Institutsgebäude sollte enteignet werden. Namhafte Eichstätter
Bürger jedoch setzten sich dafür ein, dass darin ein Hilfslazarett
untergebracht wurde, um das Haus dem Institut zu erhalten.
Vorübergehend diente es auch als Auffanglager für Bessarabier.
Am 19. Februar 1946 konnte die Mittelschule für rund 100 Schüler-
innen in drei Klassen wieder eröffnet werden.
Damals war im Erdgeschoß des Schulgebäudes auch das staatliche
Gesundheitsamt untergebracht.

Die Bildungspolitik der 60er und 70er Jahre hatte eine wahre "Schülerexplosion" zur Folge, die im Jahre 1981/82
mit 596 Schülerinnen in 18 Klassen ihren Höhepunkt erreichte.
Aus diesem Grunde musste Jahr für Jahr die Schule erweitert werden, d.h. zusätzliche Klass- und Fachräume waren
zu erstellen. Daneben gab es auch viele wohltuende Neuerungen:
1966 erhielt das Auladach eine elektrische Verdunkelung.
1968 wurde der Physik-Chemiesaal neu möbliert, so dass die Schülerinnen nun "mit größerem Vergnügen nicht in
die Stunden, aber in den herrlichen Saal gingen".

1970 konnten durch den Auszug des Gesundheitsamtes zwei große Klassräume gewonnen werden.
Ebenso wurde Platz für eine neue Schulküche, die bis dahin nur notdürftig außerhalb des Schulgebäudes unter-
gebracht war.
1971 wurden die Schulgänge weiter und heller, indem man eine Reihe von Zwischentüren entfernte, die den
"Pausenverkehr" oft stark behindert hatten.
Doch mussten wir gleichzeitig wieder einen Engpass in Kauf nehmen:
Landratsamt und Ordinariat hatten den Maria-Ward-Schwestern den Aufbau und die Führung der Fachakademie für Sozialpädagogik übertragen.
Dieser Schule mussten Räume zur Verfügung gestellt werden.

 


Phonotypie1987:
Vierzehn Computerarbeitsplätze mit eigenem Drucker

 

1972 zählte die Realschule 16 Klassen, und die Fachakademie hatte
auf drei Klassen aufgestockt, so dass wir erstmals eine Wanderklasse einrichten mussten.
1976 war es notwendig geworden, das gesamte Gebäude einer
gründlichen "Kur" zu unterziehen.
Heizung, Installation, elektrische Anlagen mussten erneuert bzw. modernisiert werden. Gleichzeitig wurden verschiedene Um-, Aus- und Einbauten vorgenommen, unter anderem ein eigener Physiksaal mit
Vorbereitungsraum.

Noch waren die Sanierungsarbeiten nicht ganz abgeschlossen, ging man an die Planung einer Sporthalle. Die alte
Turnhalle war seit Jahren nicht mehr geeignet für den Unterricht, da sie für die großen Klassen viel zu klein war
und auch den modernen Sicherheitsvorschriften nicht mehr entsprach.
Deshalb musste der Sportunterricht jahrelang in den verschiedenen Sporthallen Eichstätts erteilt werden.
1979 konnte die neue Sporthalle in Betrieb genommen werden.
1980 wurde der innere Schulhof gepflastert und neu bepflanzt.
Damit hatte die jahrelange Bautätigkeit im Realschulbereich ihren Abschluss gefunden. Das stetige Anwachsen der Schülerzahlen jedoch zwang zu einer neuen Baumaßnahme:
Im Anschluss an an das bisherige Institutsgebäude entstand ein Neubau für die Fachakademie.
1983 konnte darin der Schulbetrieb aufgenommen werden und die Realschule erfuhr die langersehnte räumliche
Entlastung. Es konnte u.a. ein Fachraum gewonnen werden für das Wahlfach Informatik mit einer Erstausstattung
von fünf Computern. Damit begann an unserer Schule das Kapitel "informationstechnische Bildung".
1984 stiegen wir mit einer Erstausstattung von 5 Computern in den Schulversuch "Wahlpflichtfach Informatik" ein.
1987 wurde - damals noch als Wahlfach - Textverarbeitung eingeführt. Dazu musste der Phonotypieraum zur Hälfte umgerüstet werden, d.h. neben 20 elektrischen Schreibmaschinen standen nun 14 Computer-Arbeitsplätze
zur Verfügung.

 



Der erste Turnsaal

 

 





... und die heutige Sporthalle

 

 




Ein Teil des Gartens wurde zur
Sportanlage

 

1988 konnte nach mehrjähriger Planung mit der Errichtung von Außensportanlagen begonnen werden, und im Frühsommer 1989 waren Allwetterplatz, 100-Meter-Laufbahn, Kugelstoßanlage und ein Rasenspielplatz zur Benützung bereit.
Zu Beginn des Schuljahres 1988/89 boten wir erstmals die Möglichkeit zum Besuch eines Tagesheimes, das im 3. Stock des Schulgebäudes in eigenen Räumen untergebracht ist.

Auch die Schule selbst erfuhr eine Ausweitung ihres Bildungsangebotes durch die Einführung der Wahlpflicht-fächergruppe I, für welche die Schülerinnen im Laufe der Jahre zunehmendes Interesse zeigen. Außerdem erweiterten wir die Wahlpflichtfächergruppe III durch das Profilfach Französisch.

 

Der Beginn des Schuljahres 1990/91 brachte den größten Einschnitt in die Geschichte der Maria- Ward-Schule. Da das Institut der Englischen Fräulein aufgrund seines Personalnotstandes keine tragfähige Zukunftsperspektive mehr sah, die Realschule fortzuführen, erklärte sich das Bistum Eichstätt bereit, die Schule in seine Trägerschaft zu übernehmen. Sie führt seither die Bezeichnung "Maria-Ward-Mädchenrealschule der Diözese Eichstätt".
Im Juli 1991 endete eine mehr als 100jährige Tradition der Schule: Die Personalsituation zwang auch dazu, die pädagogisch wertvolle Einrichtung des Internats aufzugeben. Die dadurch freigewordenen Räumlichkeiten konnten der Schule zur Verfügung gestellt werden. Im rückwärtigen Teil des Hauses entstanden aus früheren Wohn- und Schlafräumen fünf Klassenzimmer. An der Straßenseite wurden einige schon lang notwendig gewordenen Fachräume erstellt: ein Physik-Chemie- Übungssaal mit 24 Arbeitsplätzen, sowie je ein Fachraum für Technisches Zeichnen und für Kunsterziehung einschließlich zugehöriger Materialräume.
Die Schule erfuhr auch eine nochmalige Ausweitung im 3. Obergeschoß. Dort finden sich nun Fachräume für Textilarbeit, Textverarbeitung und Informatik. So stehen derzeit für die Fächer Textverarbeitung, Informatik und CAD auf drei Räume verteilt insgesamt 52 vernetzte Schülerarbeitsplätze zur Verfügung.
Diese Plätze werden auch im Fachunterricht für Englisch, Erdkunde, Mathematik und Rechnungswesen genutzt.
Nach einem Text aus dem Jahresbericht 1992 von M. Lioba Wackerbauer
[Anmerkung zum heutigen Ausbaustand des Schulnetzes:
4 Fachräume und 1 Multimedia-Raum mit insgesamt 110 Schülerarbeitsplätzen; H. Kaiser]