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Im Jahr 1998, ganz am Schluss einer
wissenschaftlichen Grabung des Jura-Museums Eichstätt in den
Plattenkalken von Schamhaupten, machten zwei ehrenamtliche
Grabungshelfer, die Brüder Klaus-Dieter und Hans Weiß, noch
einen sensationellen Fund – allerdings bewahrten die Gesteinsplatten
noch recht lange das Geheimnis ihres Inhalts, jedenfalls was die
Qualität des Funds angeht. Die sehr aufwändige
Präparation der stark verkieselten kleineren Teilplatte legte
zunächst nur einen Schädel frei, der sogleich als
Raubdinosaurier (als Theropode) klassifiziert wurde. Dann versuchte man
den geborgenen Gesteinsplatten zunächst mit
Röntgencomputertomographie auf den Leib zu rücken. Da man auf
den gewonnenen Bildern so gut wie nichts erkennen konnte, nahm man an,
dass das Stück unvollständig sei und höchstens ein
Drittel davon in den geborgenen Platten liege, der Rest davon wohl in
kleine Stücke zerschlagen und unwiederbringlich verloren.
Im
Jahr 2003 entschloss sich die neue Museumsleiterin zur weiteren
Präparation des gefundenen Objekts: Nach weiteren 700 Stunden
penibler Arbeit durch Pino Völkl, dem Präparator des
Jura-Museums, stellte sich schließlich heraus, dass das rund 70
cm lange Skelett doch so gut wie komplett in den geborgenen Platten
liegt, und zwar in vollständig artikuliertem Zustand.
Eine
erste wissenschaftliche Bearbeitung erfolgte durch die
Paläontologen Dr. Ursula Göhlich (heute am Naturhistorischen
Museum Wien) und Dr. Luis Chiappe (Natural History Museum of Los
Angeles County), die das Stück im Jahr 2006 der
Öffentlichkeit vorstellten und als neue Dinosaurier-Art
Juravenator starki benannten.
Juravenator
bedeutet „Jurajäger“. „Der kleinwüchsige Dinosaurier war etwa
so klein wie ein Huhn, allerdings mit sehr langem Schwanz. Wie die
Untersuchung ergab, war er aber zum Zeitpunkt seines Todes noch sehr
jung und damit sicher nicht ausgewachsen. Der zweibeinig laufende
Juravenator war ein Fleischfresser - dies kann man aus den
sichelförmig gebogenen und mit geriffelten Schneidekanten
versehenen Zähnen ablesen. Kräftige Krallen an Händen
und Füßen dienten zum Festhalten seiner Beute und weisen ihn
als spezialisierten, aktiven Jäger aus“, so die Museumsleiterin
Dr. Martina Kölbl-Ebert. Juravenator lebte auf einer Insel im
flachen Jurameer, das vor rund 150 Millionen Jahren ganz
Süddeutschland bedeckte. Seine Beute dürften Eidechsen,
Insekten sowie Jungtiere von Urvögeln und Flugsauriern gewesen
sein, doch dann fiel er wahrscheinlich selbst einem größeren
Raubtier zum Opfer.
Die
Plattenkalke aus dem Altmühltal sind seit jeher bekannt für
ihre paläontologischen Schätze. Schließlich stammen aus
ihnen auch die Fossilen des Urvogels Archaeopteryx, der weltweit
älteste fossile Vogel. Dennoch konnte mit einer derart
sensationellen Entdeckung eines neuen Dinosauriers nicht gerechnet
werden. Der letzte und bis heute einzige andere Fund eines
Raubdinosauriers Compsognathus aus Süddeutschland liegt fast 150
Jahre zurück.
Juravenator
starki gesellt sich zu den zahlreichen in den letzten Jahren aus der
Unterkreide von China zum Vorschein gekommenen Theropoden, die weltweit
die Stammesgeschichte und unser Bild vom Aussehen der Dinosaurier
geradezu revolutioniert haben. Der Fund aus Schamhaupten kann diesen
kreidezeitlichen Funden aus China durchaus Paroli bieten. Er zeigt
nämlich bemerkenswerterweise sogar noch mineralisierte Reste der
Weichteile, wie etwa eine Beschuppung der Haut im Schwanzbereich und
Muskelreste.
Die
2006 geäußerte Annahme, dass Juravenator im Gegensatz zu den
chinesischen Funden keine Befiederung zumindest mit Protofedern
aufgewiesen hätte, erwies sich als voreilig, konnte doch schon
wenig später mit Hilfe spezieller Ultraviolettfotografien von Dr.
h.c. Helmut Tischlinger gezeigt werden, dass offenbar derartige haar-
oder borstenartige Strukturen zumindest partiell doch vorhanden sind.
Aufgrund seiner überragenden wissenschaftlichen Bedeutung wurde
dieses auch optisch attraktive Fossil von der deutschen
Paläontologischen Gesellschaft zum Fossil des Jahres 2009
gewählt. Juravenator ist – nach dem größten Ammoniten
der Welt, der im Museum für Naturkunde in Münster ausgestellt
ist – das zweite Fossil, das mit diesem Prädikat ausgezeichnet
wird.
Zu
sehen ist Juravenator nun in einer ganz neuen Präsentation im
Jura-Museum auf der Eichstätter Willibaldsburg.
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